Die zunehmende Nutzung digitaler Medien bei Kindern und Jugendlichen hat weltweit sowohl Chancen als auch erhebliche Risiken für die psychische Gesundheit hervorgebracht. Länder wie Australien, Frankreich, Großbritannien und Kanada rücken das Thema digitale Abhängigkeit zunehmend in den Fokus von Politik, Wissenschaft und Gesellschaft. Experten warnen insbesondere vor den psychischen, sozialen und entwicklungsbezogenen Gefahren für Kinder unter 16 Jahren, die durch exzessive Smartphone-, Social-Media- und Spielnutzung entstehen
Als besonders wegweisend gilt Australien: Ende 2025 führte das Land eine der weltweit umfassendsten Regulierungen ein. Seit dem 10. Dezember 2025 müssen soziale Netzwerke wie Instagram, TikTok, YouTube, Snapchat, Facebook, X und weitere „angemessene Maßnahmen“ ergreifen, um zu verhindern, dass Personen unter 16 Jahren ein Konto erstellen oder behalten. Diese „Social Media Minimum Age“-Gesetzgebung zielt darauf ab, Kinder und Jugendliche vor schädlichen Online-Inhalten, süchtig machenden Algorithmen, Cybermobbing und anderen negativen Folgen intensiver Mediennutzung zu schützen. Plattformen, die die Altersverifikation nicht ausreichend gewährleisten, drohen Bußgelder von bis zu 49,5 Millionen AUD.
Obwohl die praktische Durchsetzung technisch anspruchsvoll ist und Jugendliche teils Wege finden, Alterschecks zu umgehen, setzt Australien mit dieser Regelung einen globalen Präzedenzfall. Viele Länder, darunter europäische Staaten, beobachten diesen Ansatz aufmerksam und prüfen ähnliche Maßnahmen, um die digitale Sicherheit und psychische Gesundheit der jüngsten Generation zu fördern.
Diese internationalen Entwicklungen unterstreichen, dass digitale Medien nicht nur Chancen, sondern auch ernste Risiken für die gesunde Entwicklung von Kindern bergen. Präventive Strategien, gesetzliche Rahmenbedingungen und die Förderung von Medienkompetenz sind daher dringend erforderlich, um junge Menschen vor den potenziellen Gefahren digitaler Medien zu schützen.
Digitale Medien bei Kindern und Jugendlichen: Chancen, Risiken und aktuelle Forschung
Fast alle Jugendlichen in Deutschland besitzen mittlerweile ein eigenes Smartphone. Digitale Medien bieten enorme Chancen: Sie fördern Lernen, soziale Interaktion, Kommunikation und Identitätsentwicklung. Gleichzeitig bergen sie aber auch erhebliche Risiken für die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen
Eine aktuelle Studie von Rainer Thomasius und Kerstin Paschke (2024) zeigt, dass die intensive Nutzung digitaler Spiele, sozialer Medien und Streaming-Angebote während der COVID-19-Pandemie deutlich zugenommen hat. Dabei sind Kinder und Jugendliche insbesondere Risiken wie Cybermobbing, Cybergrooming, dysfunktionalen Rollenmodellen und suchtfördernden Mechanismen ausgesetzt. Etwa 5 % der Jugendlichen in Deutschland erleben regelmäßig Cybermobbing – mit nachweisbaren Auswirkungen auf ihre psychische Gesundheit
Von besonderer klinischer Relevanz ist die Gaming Disorder, die als erste Störung im Zusammenhang mit digitaler Mediennutzung in die internationale Klassifikation psychischer Erkrankungen (ICD-11) aufgenommen wurde. Betroffene Jugendliche zeigen häufig deutliche Einschränkungen in ihrer psychischen und sozialen Entwicklung.
Die Studie betont die dringende Notwendigkeit evidenzbasierter Präventions- und Interventionsprogramme. Medienkompetenzförderung, strukturierte Umsetzung und wissenschaftliche Evaluation werden als zentrale Maßnahmen empfohlen, um Kinder und Jugendliche vor den Risiken digitaler Medien zu schützen.
Die Arbeit von Thomasius & Paschke (2024) liefert aktuelle wissenschaftliche Evidenz zu Chancen und Risiken der digitalen Mediennutzung im Jugendalter. Sie gilt als Grundlage für pädagogische, klinische und gesellschaftliche Strategien, um Kinder und Jugendliche sicher und gesund durch die digitale Welt zu begleiten.
Thomasius, R., & Paschke, K. (2024). Digital media use and mental health in adolescents – a narrative review. Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz.


