Frankfurt am Main, 13. März 2026 – In einer beeindruckenden Demonstration wissenschaftlicher Expertise und internationaler Kooperation hat die türkische Wissenschaftlerin Prof. Dr. Sevil Atasoy die Präsidentschaft des Internationalen Kontrollrats für Suchtstoffe (INCB) übernommen und setzt damit neue Maßstäbe im weltweiten Kampf gegen Drogenabhängigkeit und illegale Substanzumleitung.
Vom 9. bis 13. März 2025 nahm der INCB an der 69. Sitzung der Kommission für Suchtstoffe (CND) im Vienna International Centre teil. Bei der Eröffnung stellte Prof. Atasoy zentrale Errungenschaften der internationalen Drogenkontrolle vor:
- Durch das System der Schätzungen und Bewertungen für Suchtstoffe und psychotrope Substanzen konnte die Umleitung in illegale Kanäle auf ein Minimum reduziert werden.
- Über die INCB PEN Online Plattformverhinderte die Kontrolle von Vorläufersubstanzen im März 2025 die illegale Umleitung von 3 Tonnen 1-boc-4-piperidone, einem Fentanyl-Vorläufer, der zuvor in Tabelle I des Übereinkommens von 1988 aufgenommen wurde. Ohne diese Maßnahme hätten bis zu 1,6 Milliarden potenziell tödliche Fentanyl-Dosen produziert werden können.
- Das INCB GRIDS-Programmstärkt die freiwillige internationale Zusammenarbeit gegen den Handel mit gefährlichen, nicht gelisteten Substanzen. Über 135.000 Beschlagnahmungen wurden weltweit ausgetauscht, mehr als 1,5 Millionen tödliche Dosen abgefangen und modernste Technologien eingesetzt, um illegale Lieferketten zu zerschlagen.
Prof. Atasoy betonte die Notwendigkeit nachhaltiger und vorhersehbarer Ressourcen, um das internationale Kontrollsystem weiterhin wirksam zum Schutz von Gesundheit und Wohlergehen weltweit zu sichern. Sie wies auf bestehende Ungleichgewichte hin: Während hochentwickelte Länder Zugang zu Opioiden haben, bleibt der Einsatz von Morphin in vielen Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen unzureichend. Unter ihrer Leitung arbeitet der INCB aktiv daran, diese Diskrepanzen durch Schulungen, Sensibilisierung und politische Empfehlungen zu beseitigen.
Im Rahmen der Sitzung erläuterte die Präsidentin die zukünftigen Aufgaben von INCB und WHO bei der Überprüfung von Substanzen und präsentierte die INCB Jahresberichte 2025 sowie den Vorläufersubstanzen-Bericht. Die PEN Online Light Plattform unterstützt dabei den freiwilligen Informationsaustausch über neue Vorläufersubstanzen, die potenziell für die Herstellung hochpotenter Drogen genutzt werden könnten.
Globale Initiativen und technische Innovationen
Unter Tagesordnungspunkt 5(d) hob Prof. Atasoy die internationale Zusammenarbeit hervor, die sicherstellt, dass narkotische und psychotrope Substanzen für medizinische und wissenschaftliche Zwecke verfügbar bleiben, während ihre Umleitung in den illegalen Markt verhindert wird. Sie betonte, dass trotz wachsender Sensibilisierung der letzten zehn Jahre die Datenlage zu Opioid-Analgetika und psychotropen Substanzen noch nicht den Fortschritt widerspiegelt. INCB unterstützt die Mitgliedstaaten über das INCB Learning Programm, ergänzende Berichte, Trendanalysen und die Zusammenarbeit mit WHO, UNODC und zivilgesellschaftlichen Organisationen.
Prof. Atasoy leitete zudem die Veröffentlichung der INCB 2025 Technical Publications zu narkotischen und psychotropen Substanzen, die den globalen Überblick über Produktion, Nutzung und Trends auf Basis offizieller Regierungsdaten präsentieren.
Engagement bei Side Events und internationaler Kooperation
Prof. Atasoy und die INCB-Mitglieder nahmen an zahlreichen Side Events teil:
- „A World That Cares“: Dringender Bedarf globaler Zusammenarbeit zur Linderung von Schmerz und Leiden von Kindern und vulnerablen Gruppen.
- „The Role of Artificial Intelligence in the Production and Trafficking of New Psychoactive Substances“: Einsatz moderner Technologien zur Beschleunigung internationaler Kooperation.
- „Public Private Partnerships: Preventing Diversion of Precursors and Specialized Equipment“: Strategischer Ansatz zur Sicherung kontrollierter Substanzen in Zusammenarbeit mit Costa Rica und CICAD.
Darüber hinaus wurden nationale Behörden in der Nutzung von INCB-Plattformen geschult, einschließlich PEN Online, PEN Online Light und PICS, sowie Werkzeuge des GRIDS-Programms wie IONICS, GRIDS Intelligence HD, SNOOP und ELITE.
Wissenschaftliche Expertise trifft internationale Politik
Prof. Atasoy unterstrich die Bedeutung eines ausgewogenen Ansatzes: die Verfügbarkeit von Medikamenten sicherzustellen, während Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit und Verhältnismäßigkeit gewahrt bleiben. Besonders in humanitären Krisen ist der Zugang zu kontrollierten Medikamenten entscheidend. Ihre Arbeit zeigt, wie wissenschaftliche Expertise und internationale Politik ineinandergreifen, um Suchtstoffabhängigkeit weltweit wirksam zu bekämpfen.
Unter ihrer Leitung stärkt der INCB nicht nur die Kontrolle gefährlicher Substanzen, sondern trägt auch dazu bei, dass Opioid-Schmerzmittel und psychotrope Substanzen weltweit zugänglich bleiben, insbesondere in Ländern, die unterversorgt sind. Die Programme INCB Learning, Vorläufersubstanzkontrolle und GRIDS setzen Maßstäbe für ein modernes, evidenzbasiertes und internationales Suchtstoffmanagement.
MindfulArt 2026, Frankfurt am Main


